Geschichte des Sturzhelmes Es ist davon auszugehen, das die Menschen bereits seit vor- und frühgeschichtlicher Zeit versucht haben, die empfindliche Kopfpartie vor Waffenwirkung zu schützen. Dabei dürfte man Kopfbedeckungen aus verstärkten Textilien, Fell, Leder und Ähnlichem verwendet haben. Die ältesten erhaltenen Helme stammen aus dem sumerischen Kulturkreis. Die Sumerer benutzten seit Anfang des 3. Jahrtausend v.Chr. schlichte Bronzehelme die über einen Ohrenschutz verfügten, Stirn und Gesicht aber ungeschützt liessen. Für Angehörige der sumerischen Oberschicht wurden offenbar Helme aus Gold angefertigt. In derselben Epoche dürften auch die Ägypter Bronzehelme verwendet haben, zudem kamen Kopfbedeckungen aus verstärktem Leinen zum Einsatz. Die ersten Eisenhelme wurden wahrscheinlich seit dem 14. Jahrhundert v.Chr. von den Hethitern verwendet. Von den schlichten, konischen Helmen der Hethiter wurden manche offenbar mit Hörnern versehen. Auch die Dorer, die seit dem 12. Jahrhundert v.Chr. in das heutige Griechenland vordrangen, benutzten Eisenhelme. Die dort vorherrschende mykenische Kultur verwendete noch Bronzehelme, zudem kamen Lederhelme zum Einsatz, an deren Außenseite die Zähne von etwa 30-40 Ebern angebracht waren und die deshalb Eberzahnhelme genannt werden. Durch die Einwanderung der Dorer wurde im griechischen Kulturkreis die Eisenzeit ausgelöst, doch fertigten die Griechen noch jahrhundertelang Helme aus Bronze. Es entstanden verschiedene Helmarten, die nach der jeweiligen griechischen Region benannt sind, in der sie zuerst gebräuchlich wurden. Bei dem korinthischen Helm handelt es sich um den wohl bekanntesten griechischen Helmtypus. Er entstand zu Beginn des 7. Jahrhunderts v.Chr. und wurde aus einer einzigen Bronzeplatte geschmiedet. Der korinthische Helm richtete sich stark nach der menschlichen Schädelform und schützte mit seinen Backenstücken und dem Nasenteil einen Großteil des Kopfes. Aus dem korinthischen Helm entwickelte sich der chaldikische Helm, der seinem Träger ein größeres Blickfeld liess. Beide Helmarten liessen sich leicht bis zur Stirn zurückziehen, um in einer Gefechtspause ein uneingeschränktes Blickfeld und eine ungehinderte Atmung zu ermöglichen. In der Mitte des 4. Jahrhunderts v.Chr. kam im griechischen Kulturkreis der böotische Helm auf, der vom Gesicht nur die Stirn schützte und das Sichtfeld nicht einschränkte. Da für die Reiterei eine ungehinderte Sicht wichtiger war als für die in einer dichten Phalanx kämpfenden Hopliten, wurde der böotische Helmtypus bei ihr schnell beliebt. Die Helme der Römer wurden in der frühen römischen Geschichte stark von anderen Kulturen beeinflusst, besonders von der etruskischen, keltischen und griechischen. Varianten des chaldikischen Helms waren bei den Römern üblich, sowie schlichte konische Helme. Zu Zeiten der späten Römischen Repulik kamen konische Helme mit großem Nackenschirm, angedeutetem Stirnkamm und flexiblen Backenstücken auf, die bis zum Ende des Römischen Reiches von den meisten Legionären getragen wurden. Die Römer scheinen als erstes Volk dazu übergegangen zu sein, spezialisierte Helmarten anzufertigen, insbesondere für Gladiatorenkämpfe. Der bekannteste Gladiatorenhelm ist der des so genannten Myrmillo. Dieser Helm besitzt einen großen Stirn- und Nackenschutz und einen gitterartigen Gesichtsschutz. Zudem ist er mit einem großen Kamm ausgestattet, der mit einer Helmzier versehen werden konnte. Der dominierende Helmtypus des Frühmittelalters war der von den Sarmaten eingeführte Spangenhelm, der sowohl bei Römern und Byzantinern als auch bei den germanischen Völkern rege Verbreitung fand. Dieser Helm bestand aus 3-6 durch einen Stirnreif fixierten Metallbügeln. Die Lücken zwischen Stirnreif und Metallbügeln wurden mit Metallplatten verschlossen. Ein Spangenhelm der über ein Nasenstück verfügt, wird als Nasalhelm bezeichnet. Spangenhelme verfügten oftmals über flexible Backenstücke und einen Nackenschutz aus Kettengeflecht. Skandinavier, Rus und Angelsachsen verwendeten zum Teil Spangenhelme mit einem speziellen Augenschutz (Brillenhelm), auch ein Gesichtsschutz aus Kettengeflecht oder eine anthropomorphe Gesichtsmaske (Maskenhelm) war gebräuchlich. Der Spangenhelm und seine Unterarten blieben das ganze Frühmittelalter hindurch der wichtigste europäische Metallhelm. Im Hochmittelalter wurde die Schmiedekunst verbessert, so dass ab dem 10. Jahrhundert n.Chr. konische Helme mit Nasenschutz auftauchten, die aus einer einzigen Eisenplatte gefertigt wurden. Zudem wurde es üblich, Spangenhelme und auch Helme aus einer Platte mit einem Nasenstück zu versehen, das zum unteren Ende hin immer breiter wird. Dieser hochmittelalterliche Nasalhelm wird manchmal fälschlicherweise als Normannenhelm bezeichnet, obwohl er im Hochmittelalter in Europa weit verbreitet war. Im 12. Jahrhundert traten neben den konischen Nasalhelm zylindrisch geformte Helme. Diese Helme besassen zunächst auch ein Nasenstück, das schnell von einem fixierten Visier mit Seh- und Luftschlitzen verdrängt wurde. Daraus entwickelte sich der Topfhelm, der im Laufe der Zeit der Schädelform leicht angepasst wurde und deshalb nicht mehr zylindrisch war. Etwa zur selben Zeit entstanden Helmarten wie der schlichte Eisenhut mit breiter Krempe und die dem Schädel angepasste Beckenhaube die bis auf das Gesicht den gesamten Kopf schützte und oftmals unter dem Topfhelm getragen wurde. Der Topfhelm blieb bis in das 14. Jahrhundert hinein der effektivste Kopfschutz des europäischen Ritters. In der Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich aus der schlichten Beckenhaube die so genannte Hundsgugel mit spitz zulaufender Glocke und einem langen, hundeschnauzeartigen Visier. Die Hundsgugel wurde meistens durch ein Kettengeflecht zum Schutz von Hals und Nacken ergänzt und bot eine bessere Sicht und besseren Schutz als der Topfhelm. Zudem wurden spezielle Turnierhelme geschmiedet, wie zum Beispiel der Froschmaulhelm der über zehn Kilogramm wiegen konnte. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts kamen Helme wie der Armet und der Schaller auf, welche die Hundsgugel verdrängten. Der Armet umschloss den gesamten Kopf und besass ein hochklappbares Visier. Aus dem wegweisenden Armet sollte später der geschlossene Helm hervorgehen. Der stromlinienförmige Schaller entstand aus dem Eisenhut und wurde durch einen am Brustpanzer befestigten Kinn- und Halsschutz vervollständigt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts kam in Italien die Barbuta auf, die ganz im Sinne der Renaissance an den antiken korinthischen Helm erinnert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstand der geschlossene Helm, bei dem das Visier und der Kinnschutz an der selben Stelle seitlich am Helm fixiert waren. Der geschlossene Helm wurde schnell zum wichtigsten Kopfschutz der schweren Reiterei und existierte in mehreren Varianten. Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts kamen schlichtere Helme auf, die zumeist vom Fussvolk verwendet wurden. Dazu zählten der Birnhelm mit hoher, spitz zulaufender Glocke und schmaler Krempe und der Morion mit an Vorder- und Hinterseite spitz zulaufender Krempe und mit hohem Kamm in seiner bekanntesten Variante. Da die Schlachten im Laufe des 16. Jahrhunderts im stärker von Formationskämpfen und Sichteinschränkungen durch Pulverdampf geprägt wurden, wählten immer mehr Reiter ab der Mitte des Jahrhunderts die offene Sturmhaube als Kopfschutz. Die Sturmhaube verfügte über einen Nacken- und Wangenschutz und einen Augenschirm. Diesen Helm gab es als Variante mit einem nach unten aufklappbaren Visier. Der geschlossene Helm wurde bis in das 17. Jahrhundert hinein verwendet, da er den besten Schutz bot, doch wurden Helme die eine uneingeschränkte Sicht garantierten immer gebräuchlicher. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden fast nur noch Varianten der Sturmhaube und der aus Ungarn stammenden Zischägge verwendet, die ebenfalls über Nacken- und Wangenschutz sowie einen Augenschirm verfügte. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen Rüstungen fast gänzlich außer Gebrauch, und somit auch Helme. Als Ausnahme lassen sich die schweren Helme nennen, die von manchen Sappeuren bei Belagerungen getragen wurden. Auch die Reiterei hielt vereinzelt am Tragen eines Helmes fest, doch geschah dies eher aus repräsentativen Gründen. Im 18. Jahrhundert ging man vereinzelt dazu über, bei der Brandbekämpfung Helme zu tragen. Die Österreicher trugen speziell im Kampf gegen die Türken bis zum Ende des 18. Jahrhunderts schwere Helme. Während der napoleonischen Kriege wurden repräsentative Helme wie der Tschako in allen europäischen Armeen gebräuchlich. Einige Jahrzehnte später wurde in Preußen die aus Leder bestehende Pickelhaube eingeführt, die aber eher dekorativen Zwecken diente. Die gewaltigen Fortschritte der Waffentechnologie im Zeitalter der Industrialisierung entluden sich in den großen Schlachten des ersten Weltkrieges. Zahlreiche Soldaten erlitten in diesem Krieg durch Granatsplitter schwerste, entstellende Kopfverletzungen, so dass ein effektiver Kopfschutz notwendig wurde. Als erste Nation stattete Frankreich sein Heer im Jahre 1915 mit Stahlhelmen aus, kurze Zeit später Großbritannien. Im darauf folgenden Jahr, rechtzeitig zu den beispiellosen Materialschlachten an der Somme und bei Verdun, wurden die deutschen Soldaten mit Stahlhelmen ausgestattet. Sämtliche Stahlhelme des ersten Weltkrieges schützten höchstens vor langsam heranfliegenden Splittern und Gewehrschüssen aus größerer Entfernung, doch wurden so zahlreiche Menschenleben gerettet. Die im zweiten Weltkrieg verwendeten Helme unterschieden sich nur geringfügig von denen des ersten Weltkrieges, doch setzte sich langsam eine Helmform durch die an den deutschen M1916-Helm erinnert. In der Nachkriegszeit ging man schnell dazu über, die verschiedensten Kunstfasern für die Herstellung von Helmen zu verwenden. Die bekannteste dieser Fasern ist Kevlar, welches man bei manchen Helmen auch für spezielle Gesichtsmasken verwendet. Auch Panzerglas wird zum Schutz des Gesichts verwendet, vor allem von Sondereinheiten der Polizei. Die heutige Entwicklung geht hin zu einem hochtechnisierten, multifunktionalen Helm mit integriertem Funkgerät, Infrarotsicht und Schutz vor biologischen und chemischen Waffen. Jahrtausendelang wurden Helme in erster Linie zum Schutz vor Waffeneinwirkung getragen, doch seit dem Zeitalter der Industrialisierung ist die Zahl an spezialisierten Helmen gewaltig gestiegen. In Folge des rapide gestiegenen technologischen Fortschritts und der immer zahlreicher werdenden Freizeitmöglichkeiten entstanden im 19. und vor allem im 20. Jahrhundert Taucherhelme, Feuerwehrhelme, Sturzhelme (Integralhelme), Helme speziell für diverse Sportarten und viele weitere.
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