Geschichte des Fahrrades Im vorderen Orient wird ca. 4000 v.Chr. das Rad erfunden. Das Rad gilt als die grösste einzelne technische Erfindung der Menschheit. In Süddeutschland werden ca. 2000 v.Chr. hölzerne Wagenräder verwendet. Behauptungen, das Fahrrad sei schon in der Antike oder im Mittelalter erfunden worden, sind nicht überzeugend belegt. Das "Fahrrad" auf einem Kirchenfenster in Stoke Poges hat nur auf Reproduktionen, die auf einer Fälschung von E. O. Duncan beruhen, zwei Räder und Fahrer in Cromwellscher Tracht, in Wirklichkeit sieht man dort einen einrädrigen Wegmesser. Auch das so genannte Leonardo-Fahrrad gilt als Fälschung, die Zeichnung wurde offenbar nach 1961 Leonardo da Vincis Codex Atlanticus hinzugefügt. Bei dem angeblich vom Comte de Sivrac 1791 erfundenen Velocifère oder Célèrifère, einem ungelenkten Laufrad, handelt es sich ebenfalls um eine Falschmeldung, die hundert Jahre später von Baudry de Saunier in Umlauf gebracht wurde. Tatsächlich erfunden hat das einspurige Zweirad Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn 1817 in Mannheim. Man saß zwischen den Rädern und stieß sich mit den Füßen am Boden ab. Diese hölzerne, von ihm selbst so genannte "Schnellaufmaschine" hieß nach ihm bald "Draisine". Häufig wird unter diesem Begriff auch die 1837 (?) erfundene Eisenbahn-Draisine verstanden, die auf einem von Drais noch vor dem Laufrad entwickelten vierrädrigen Wagen beruht. Das Laufrad verfügte über ein lenkbares Vorderrad, was ermöglichte, das fahrende Rad auch ohne Kontakt der Füße zum Boden im Gleichgewicht zu halten. Damit war die grundlegende Erfindung gemacht. Schon kurz darauf wurden in England die ersten eisernen Laufräder gebaut, die sich den Spitznamen "Boneshaker" (Knochenschüttler) erwarben. Der amerikanische Chemiker Charles Goodyear entdeckt 1839 die Vulkanisierung des Kautschuks, die eisenbereiften Räder bekommen Konkurrenz. Der englische Ingenieur Robert William Thomson erfindet 1845, 43 Jahre vor John Boyd Dunlop, den Luftreifen. Der deutsche Instrumentenbauer Philipp Moritz Fischer aus Oberndorf bei Schweinfurt, versieht 1853 erstmals eine Draisine mit Tretkurbeln an der Vorderachse. Das “Laufrad“ wurde damit zum “Tretrad“. Das erste brauchbare Hochrad, genannt Michauline, entwickelte 1861 der Franzose Pierre Michaux mit seinem Sohn Ernest. Bei diesem Fahrzeug erfolgte der Antrieb durch starr an der Vorderradachse angebrachte Pedale. Dabei war konstruktionsbedingt die Entfaltung (die zurückgelegte Strecke pro Kurbelumdrehung) gleich dem Umfang des Vorderrads. Um höhere Geschwindigkeiten fahren zu können, mußte daher das Vorderrad vergrößert werden, was nach 1870 zur Entwicklung des Hochrades führte. Eine wichtige Voraussetzung dafür war die Erfindung gespannter, also nur zugbelasteter Stahlspeichen durch William Strout (1870). Das Hochradfahren verlangte deutlich mehr Geschick, besonders beim Auf- und Absteigen. In dieser Zeit wurden die ersten Radrennen gefahren, dabei waren Geschwindigkeiten von deutlich mehr als 40 km/h üblich. Durch den hohen Schwerpunkt (der Sattel befand sich rund 1,5 m über dem Boden nur wenig hinter der Vorderachse) drohte Hochradfahrern bei Bremsmanövern oder Straßenunebenheiten immer die Gefahr, sich zu überschlagen. Die Anwendung des Kettenantriebs im Fahrradbau, der durch verschieden große Zahnräder an den Kurbeln und der Radachse eine Übersetzung ermöglicht (eine Kurbelumdrehung dreht das Rad mehr als einmal), führte zum "Känguruh", einem gemäßigten Hochrad mit beidseitigem Kettenantrieb am Vorderrad. Doch erst der 1878 eingeführte einseitige Kettenantrieb des Hinterrades konnte sich wirklich durchsetzen, die Konstruktion war einfacher und stabiler, das Rad wegen der Entkoppelung von Antrieb und Lenkung leichter zu fahren und die Sitzposition zwischen Vorder- und Hinterrad gewährleistete ein wesentlich sichereres Fahrverhalten. Bekanntester Vertreter dieser Bauform war das von John Kemp Starley seit 1884 angebotene "Rover Safety Bicycle welches über einen Diamantrahmen verfügte. Bis dahin waren bei Niederrädern so genannte Kreuzrahmen üblich, die im wesentlichen aus einer Strebe von der Vordergabel zur Hinterachse und einer zweiten, sich kreuzenden, vom Sattel zum Tretlager bestanden. Beim Diamantrahmen werden die Streben fast nur durch Zug und Druck belastet und kaum noch durch Verwindung oder Verbiegung, deshalb ist er wesentlich stabiler als ein Kreuzrahmen. Der Diamantrahmen besteht aus einem einfachen Dreieck für den Hauptrahmen und einem doppelten Dreieck für den Hinterbau (Der Name beruht auf der groben Ähnlichkeit zu einem von der Seite betrachteten Diamanten). Seit 1884 waren auch die ersten brauchbaren Kugellager der von Friedrich Fischer gegründeten "Velociped-Gußstahlkugelfabrik" verfügbar, die den Reibungswiderstand von Naben und Tretlager drastisch verringerten. Die Rahmen früher Fahrräder waren aus massivem Eisen oder Hohlstahl gefertigt und entsprechen schwer. 1885 ließen sich die Brüder Mannesmann ein Verfahren zur Erzeugung nahtloser Stahlrohre patentieren. Mit diesem seit 1890 verfügbaren Stahlrohr war schließlich das Rahmenmaterial gefunden, das bis heute im Fahrradbau dominiert. Das aus Stahlrohr gefertigte "Rover" mit Diamantrahmen wurde zum Prototyp des modernen Fahrrades. 1888 lies der irische Tierarzt John Boyd Dunlop den Luftreifen patentieren, der erstmals eine praktikable Dämpfung und zuverlässigere Bodenhaftung ermöglichte. Bis dahin waren Fahrräder mit Eisen- oder seit 1865 mit Vollgummireifen ausgestattet. Den ersten abnehmbaren Luftreifen erfanden die Brüder Michelin 1890 in Frankreich. Der von A. P. Morrow 1889 in den USA patentierte Freilauf war unter Radfahrern zunächst sehr umstritten. Die Freilaufgegner hatten ebenso gewichtige Argumente gegen seine Anerkennung im Rennsport wie die Befürworter dafür. Der in den USA schon früher entschiedene Streit wurde in Deutschland erst nach 1900 durch die erfolgreiche Markteinführung der Torpedo-Freilaufnabe von Fichtel & Sachs mit integrierter Rücktrittbremse beendet. 1907 wurde die erste 2-Gang-Nabenschaltung nach einem Patent der Wanderer-Werke von Fichtel & Sachs auf den deutschen Markt gebracht. Sie besaß ein Planetengetriebe und ebenfalls eine Rücktrittbremse. Die weitere Entwicklung des Fahrrades orientierte sich am Konzept des Niederrades lediglich mit Varianten bei Konstruktion und Materialien. Größere Fortschritte wurden nur noch bei Gangschaltung und Bremsen gemacht. Seit den 1990er Jahren werden Fahrräder zunehmend mit Federung ausgestattet. Heute werden Fahrradrahmen immer häufiger aus Aluminium hergestellt. Im Radsport finden vereinzelt auch Titan und Kohlefaser Verwendung. Besonders in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde viel mit alternativen Bauformen experimentiert, die sich aber nicht durchgesetzt haben. Mit der Umweltbewegung sind seit den 1980er Jahren Sonderformen wie Dreiräder und Liegeräder wiederentdeckt und weiterentwickelt worden, bleiben aber auch heute Randerscheinungen. Die im Zusammenhang mit dem Fahrrad gemachten Erfindungen waren wegbereitend für die Entwicklung des Motorrades und des Automobils um 1900.
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